"EIN WICHTIGER BAUSTEIN DER PERSÖNLICHEN WEITERENTWICKLUNG"

Helena Schmidt aus Gründau kam als Quereinsteigerin zur Firma Emerson in Hasselroth. Mit ProAbschlusss hatte sie die Chance Ihren Berufsabschluss nachzuholen. Im Interview spricht sie über ihre Erfahrungen, warum ihr der Berufsabschluss wichtig war und wie sie Familie, Beruf und Weiterbildung organisiert hat.

Frau Schmidt, Sie haben kürzlich einen Berufsabschluss zur Fachkraft für Metalltechnik – Fachrichtung Montagetechnik – nachgeholt. Damit sind sie die erste und bislang einzige Frau, die die Externen-Prüfung zur Fachkraft für Metalltechnik bestanden hat. Was hat Sie davon abgehalten, bereits früher eine Berufsausbildung anzugehen und abzuschließen?

Frau Schmidt (HS): Bei mir waren es persönliche Gründe, die dazu geführt haben, dass ich nicht bereits früher eine Berufsausbildung abschließen konnte. Grundsätzlich war mein Ziel immer, eine anerkannte Berufsausbildung abzuschließen. Das ist einfach ein wichtiger Baustein der persönlichen Weiterentwicklung. Allerdings gibt es dann manchmal Situationen, in denen eine Berufsausbildung nicht so einfach möglich ist.  Als alleinerziehende Mutter von zwei Kindern musste ich in der Vergangenheit zunächst andere Prioritäten setzen.

Wie sind Sie denn auf diesen Ausbildungsberuf gekommen, der ja bislang für Frauen eher untypisch ist?

HS: Zunächst muss ich sagen, dass ich sehr viel Glück hatte, dass ich bei Emerson diese Chance bekam…

Ja, wie sind denn überhaupt zur Emerson Process Management GmbH & Co. OHG nach Hasselroth gekommen?

HS:Ich bin zunächst im Rahmen der Arbeitnehmerüberlassung im Februar 2016 zu Emerson gekommen und hatte dort die Möglichkeit mich zu beweisen.

Was Ihnen offenbar gelungen ist…

HS: Ja, ich denke schon. Im September 2017 hat mich Emerson übernommen, und mich damit meinen beruflichen Zielen einen weiteren Schritt nähergebracht. Darüber bin ich sehr glücklich. Die Tätigkeit bei Emerson hat mir seit dem ersten Tag viel Freude bereitet. Und durch eben diese Ausbildung zur Fachkraft für Metalltechnik wollte ich meine theoretischen und auch praktischen Kenntnisse größtmöglich erweitern. Und, ganz nebenbei: Ich möchte auch meinen beiden Kindern ein Vorbild sein.

Wo lagen denn für Sie die größten Herausforderungen in der Phase der Prüfungsvorbereitung? Wie haben Sie das alles organisiert?

HS: Die ganze Koordination von Arbeit, Privatleben, meinen Kindern und dann auch noch das Lernen für die Prüfung, alles das unter einen Hut zu bekommen und sozusagen die Work-Life-Balance zu behalten, das war schon eine sehr große Herausforderung für mich. Und natürlich auch wieder in einen Lernrhythmus zu kommen, sozusagen wieder das „Lernen zu lernen“.

Wie ist es Ihnen denn gelungen, wieder in den Lernrhythmus zu kommen?

HS: Ich habe mich selbst organisiert, indem ich den Schwierigkeitsgrad meiner Lerneinheiten an die Phasen meiner Freizeit angepasst habe.

Inwieweit wurden Sie denn von Ihrem Arbeitgeber Emerson in der Phase der Prüfungsvorbereitung unterstützt?

HS: Da gab es vielfältige Ansatzpunkte: Wenn ich zum Beispiel etwas theoretisch nicht nachvollziehen konnte, wurde es mir im Betrieb an Objektteilen bzw. Bauteilen veranschaulicht. Ich bin meinen Kollegen in der Werkstatt unendlich dankbar, für die zusätzliche Zeit, die sie für mich geopfert haben. Außerdem war mein Werkstattmeister wirklich immer für mich ansprechbar, wofür ich ebenfalls sehr dankbar bin. Und schließlich möchte ich auch nicht die Lehrer der Gesellschaft für Wirtschaftskunde e. V. vergessen, die mir viel beigebracht und mich unterstützt haben.

Sie haben die Prüfung nun mit gutem Erfolg bestanden und besitzen jetzt einen anerkannten Berufsabschluss. Was hat dies für Sie verändert?

HS: Zunächst einmal: Es ist ein wahnsinnig tolles Gefühl, eine Ausbildung machen zu dürfen, und diese dann erfolgreich abzuschließen. Egal, in welchem Alter man ist! Und ich habe natürlich auch neue Kenntnisse erworben. Zum Beispiel habe ich jetzt ein deutlich besseres Verständnis für Zeichnungen gefertigter Bauteile, kenne die Zusammensetzung verschiedener Edelstähle und weiß aus welchen Gründen unterschiedliche Stähle eingesetzt werden können und dürfen. Durch den Zuwachs an Wissen und Fertigkeiten bin ich nun in der Lage, neue, zusätzliche, Aufgaben auszuüben und meine Kollegen noch besser als bisher zu unterstützen.

Vor dem Hintergrund Ihrer gewonnenen Erfahrungen: Was würden Sie anderen Beschäftigten raten, die sich für das Nachholen ihres Berufsabschlusses interessieren?
HS: Ganz gewiss gilt: „Stillstand ist Rückstand“, und Fort- und Weiterbildungen geben jedem Einzelnen die Möglichkeit, Neues zu erlernen. Das schafft die Voraussetzungen, um andere oder zusätzliche Arbeitsbereiche auszuüben und vor allem, um persönlich weiterzukommen. Denn vielseitiges Wissen ist von Vorteil, sowohl für den Arbeitnehmer bzw. die Arbeitnehmerin als auch für den Arbeitgeber.