Mitarbeiterförderung im ältesten Musikverlag der Welt

Der Musikverlag Breitkopf & Härtel kann auf eine 300-jährige Unternehmenstradition zurückschauen. Er wurde offiziell am 27. Januar 1719 zunächst in Leipzig gegründet und ist damit der älteste Musikverlag der Welt. Noch heute erinnert das Verlagssignet – ein Bär mit dem Gründungsjahr - an die Anfangsjahre des Unternehmens. Der Bär war Bestanteil des Schildes eines verfallenen Gasthofes, des „Goldenen Bären“,  welchen der Gründer Bernhard Christoph Breitkopf 1732 erwarb und dann zu einem Verlagshaus umbaute.
Heute befindet sich der Hauptsitz in der Walkmühlstraße in Wiesbaden; Auslieferung und Vertrieb befinden sich in der Zweigstelle in Taunusstein. Am Gründungsstandort Leipzig gibt es zudem eine Niederlassung.

Das Fortbestehen eines Unternehmens über einen Zeitraum von 300 Jahren - unter anderem trotz zweier Weltkriege, Weltwirtschaftskrise und Inflation sowie der Enteignung in der ehemaligen DDR – setzen ein hohes Maß an Anpassungs- und Wettbewerbsfähigkeit voraus. Um dies zu erreichen, bedarf es unter anderem einer vorausschauenden Unternehmenspolitik. Dies war in der Vergangenheit häufig der Fall, zum Beispiel als der frühere Unternehmensleiter Hellmuth von Hase 1945 beschloss, mit seiner Familie und den engsten Mitarbeitern aus der Sowjetischen Besatzungszone nach Wiesbaden überzusiedeln.


Eine vorausschauende Unternehmens- und Personalpolitik wird auch heute im Unternehmen praktiziert, etwa  wenn es darum geht, Fachkräfte aus den eigenen Reihen zu gewinnen. Dabei nutzt das Unternehmen die Initiative ProAbschluss des Landes Hessen mit dem Förderinstrument Qualifizierungsscheck, wie Sebastian Mohr, Geschäftsführer von Breitkopf & Härtel im Gespräch berichtet.

Herr Mohr, einer Ihrer Mitarbeiter, Stefan Schütz, hat kürzlich im Rahmen einer Externenprüfung als Jahrgangsbester mit der Gesamtnote „Sehr gut“ seinen Berufsabschluss als Fachkraft für Lagerlogistik erworben. Werden sich seine beruflichen Perspektiven in ihrem Unternehmen deshalb verbessern?

Sebastian Mohr: Das ist ganz sicher der Fall. Herr Schütz hat nach seiner Schulzeit zunächst eine Ausbildung zum Holzmechaniker gemacht, bei uns arbeitet er seit rund 17 Jahren im Lagerbereich. Mit dem neuen Berufsabschluss und dem dadurch erworbenen theoretischen Wissen konnten wir ihn zunächst zum stellvertretenden Lagerleiter befördern – mit der mittelfristigen Perspektive, die Lagerleitung zu übernehmen. Sein unmittelbarer Vorgesetzter wird in knapp vier Jahren in den Ruhestand treten. So können wir dann eine Führungsposition aus den eigenen Reihen adäquat ersetzen.

Wie wurde Herr Schütz im Rahmen der Nachqualifizierung unterstützt?

Sebastian Mohr: Nun, zunächst einmal vor allem auch finanziell. Und hier spielte die Initiative ProAbschluss des Landes Hessen eine ganz wichtige Rolle. Die Hälfte der Kosten für die Weiterbildungsmaßnahme wurde über den Qualifizierungsscheck aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds bezahlt, die andere Hälfte der Gesamtkosten haben sich das Unternehmen und Herr Schütz geteilt.

ESF-Fördermittel? Ist das denn nicht mit hohem bürokratischem Aufwand verbunden?

Sebastian Mohr: Aus Unternehmenssicht ganz und gar nicht, da ist der Qualifizierungsscheck im Rahmen von ProAbschluss ein vollkommen unbürokratisches Instrument. Und auch für den Beschäftigten nicht. Dieser muss nur eine kostenlose Beratung bei Beratungskräften der Initiative durchlaufen, in der neben dem Qualifikationsstand auch die Erfüllung der Fördervoraussetzungen überprüft wird. Dann kann er den Qualifizierungscheck erhalten, den er bei einem Bildungsanbieter für die Weiterbildungsmaßnahme einlöst.

Dann ist ProAbschluss aus Ihrer Sicht auch anderen Unternehmen zu empfehlen, um eigene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu fördern und so den Fachkräftebedarf aus den eigenen Reihen zu decken?

Sebastian Mohr: Ja, ganz gewiss. Natürlich kommt es auch immer darauf an, dass die Beschäftigten hier Initiative zeigen. Nur dann kann die Nachqualifizierung auf diesem Wege funktionieren. Hier hatten wir mit Herrn Schütz sicherlich Glück, und für ihn hat sich die Einsatzbereitschaft gewiss bereits jetzt ausgezahlt.