"Wir haben grundsätzlich gute Erfahrungen mit Quereinsteigerinnen und Quereinsteigern gemacht"

Die Emerson Process Management GmbH & Co. OHG ist die deutsche Tochter eines international tätigen amerikanischen Unternehmens. Sie produziert und vertreibt Geräte und Systeme für die industrielle Automatisierungstechnik. Am Standort Hasselroth bei Hanau werden Geräte für die industrielle Gas-Analyse produziert.
Die Weiterbildung der Beschäftigten ist für Geschäftsführer Dr. Ralf Noetzel dabei "existenziell". Seine Mitarbeiterin Helena Schmitt kam wie viele andere als Quereinsteigerin ins Unternehmen.  Mit Unterstützung des Arbeitgebers und der Initiative ProAbschluss hat sie nun Ihren Berufsabschluss nachgeholt. 

 

Herr Dr. Noetzel, ihre Mitarbeiterin Frau Schmidt, hat kürzlich ihren Berufsabschluss zur Fachkraft für Metalltechnik – Fachrichtung Montagetechnik – erfolgreich nachgeholt. Damit ist sie die erste und bislang einzige Frau, die die Externen-Prüfung zur Fachkraft für Metalltechnik bestanden hat. Gefördert wurde Frau Schmidt über die hessische Förderinitiative ProAbschluss. Inwieweit sehen Sie, Herr Dr. Noetzel, die Initiative ProAbschluss als geeignete Möglichkeit für Unternehmen, den benötigten Fachkräftebedarf besser decken zu können?

Dr. Noetzel:  Die Anforderungen an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in unserem Unternehmen sind sehr speziell. Weiterbildung bereits beschäftigter Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ist daher für uns unerlässlich. Wir haben grundsätzlich gute Erfahrungen mit der Beschäftigung von Quereinsteigerinnen und Quereinsteigern gemacht. ProAbschluss kann uns dabei unterstützen, den fachfremden Kolleginnen und Kollegen breitere Grundlagen und hilfreiche Erfahrungen für ihre Tätigkeiten in unserem Unternehmen zu vermitteln, was uns selbst in unserem Alltagsbetrieb so kaum möglich ist. Nicht zuletzt sehen wir die Initiative ProAbschluss aber auch als eine Motivation für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.


Welche Erfahrungen haben Sie während der Weiterbildungsphase mit ProAbschluss gemacht? Gab es bürokratische Hemmnisse, die den Prozess erschwert haben?

Dr. Noetzel: Der bürokratische Aufwand war durchaus überschaubar, vermutlich sogar höher auf der internen Konzernseite als extern. Überrascht hat uns am Ende die Flexibilität bei der Justierung der Ausbildungsinhalte durch die Gesellschaft für Wirtschaftskunde e.V., mit der wir hier als Bildungsanbieter zusammengearbeitet haben.


Würden Sie auch anderen Unternehmen ProAbschluss zur Weiterqualifizierung von Beschäftigten empfehlen?

Dr. Noetzel: Ja, ganz sicher. Wir halten Proabschluss für ein probates Mittel, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Gegenüber der klassischen Ausbildung hat der Arbeitgeber den Vorteil, dass er die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schon vor dem Start des Programms kennt. Das Ausbildungsrisiko wird dadurch erheblich gemindert. Durch die finanzielle Unterstützung haben so auch Firmen und Unternehmen mit geringeren Budgets für Aus- und Weiterbildung die Möglichkeit, sich zukunftsorientiert aufzustellen. Daher sollte auch noch mehr Aufmerksamkeit für das Programm erzeugt werden.


Welche Bedeutung hat grundsätzlich die Weiterbildung Ihrer Beschäftigten im Unternehmen? Wo liegen Ihre besonderen Schwerpunkte?

Dr. Noetzel: Weiterbildung ist existenziell für uns, sowohl im technischen als auch im kaufmännischen Bereich. Schwerpunkte liegen in der Fein(st)mechanik, der elektronischen Messtechnik und der Gastechnik; aber auch im internationalen Management von Aufträgen oder Projekten. Die Anforderungen an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter steigen kontinuierlich. Daher ist es unerlässlich, „am Ball zu bleiben“.

 

Welche Auswirkungen hat die COVID-19-Pandemie aktuell auf Ihr Unternehmen. Inwieweit gibt es Ansätze, freie Kapazitäten zurzeit durch Weiterbildungsmaßnahmen der Beschäftigten zu nutzen?

Dr. Noetzel: Wir beobachten bedauerlicherweise einen globalen Auftragsrückgang im zweistelligen Prozentbereich.  Tatsächlich nutzen wir kurzfristig frei werdende Kapazitäten in wesentlichem Umfang für Weiterbildungsmaßnahmen, zum Beispiel auch zum Thema „Effektives arbeiten von Zuhause“. Mittelfristig wird aber wohl nur ein kleiner Teil der freien Kapazitäten für Weiterbildungen und Qualifikationsmaßnahmen aufgewendet werden können.