Der zweite Berufsabschluss - Mit der Initiative ProAbschluss zum neuen Beruf

Das 1968 gegründete Unternehmen Metallkontor GmbH im oberhessischen Staufenberg handelt mit NE-Metallen, Edelstahl und technischen Kunststoffen. 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiterbedienen an zwei Standorten in Thüringen und Hessen die teilweise hochspezialisierten Wünsche der Kundschaft.

Im Sommer 2016 begann der im Verkauf tätige Lagerist Sören Schumann eine zweite Berufsausbildung zum Kaufmann im Groß- und Außenhandel; ein halbes Jahr später bestand er mit Erfolg die Externenprüfung an der IHK Gießen-Darmstadt. Unterstützt wurde er von seinem Unternehmen und der hessischen Initiative ProAbschluss. Wir sprachen mit Dirk Eberling, Niederlassungsleiter bei Metallkontor und Sören Schumann über ihre Beweggründe und Erfahrungen.


Herr Eberling, glaubt man dem aktuellen »Mittelstandsbarometer« von Ernst & Young, ist der befürchtete Fachkräftemangel bei kleinen und mittleren Unternehmen Zukunftsangst
Nummer eins. Haben Sie im Unternehmen Fachkräftemangel?

Eberling: Unser Personal muss sehr spezielle Kenntnisse haben: Fachwissen, Materialbeschaffenheit, Kundenanforderungen und so weiter. Deshalb bilden wir unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter selbst aus, was uns den Fachkräftemangel auf dem Arbeitsmarkt nicht so spüren lässt. Doch unsere Kundschaft aus dem metallverarbeitenden Gewerbe klagt sehr oft über fehlendes qualifiziertes Personal.

Herr Schumann, Sie hatten ja bereits einen Berufsabschluss als Fachkraft für Lagerlogistik. Was war Ihr Antrieb, neben der Arbeit einen zweiten, kaufmännischen Berufsabschluss zu machen?

Schumann: Meine erste Ausbildung hier im Unternehmen liegt ja schon ein paar Jahre zurück; sie begann 2007. Zunehmend hat mich das Kaufmännische aber stärker interessiert als mein erlernter Beruf. Von unserer Geschäftsführung bekam ich schon ein Jahr nach meiner Ausbildung die Chance, mich in diesen Bereich einzuarbeiten.
Eberling: Wir haben in Herrn Schumann entsprechendes Potenzial gesehen; deshalb hat ihn unser Geschäftsführer gezielt angesprochen, ob er in den Vertrieb wechseln möchte.
Schumann: Das war genau mein Wunsch und ich habe diese Chance ergriffen. Unsere Materialien kannte ich ja alle – das kam mir bei der Arbeit im Verkauf zupass. Doch im kaufmännischen Bereich war ich eigentlich eine ungelernte Kraft. Deswegen war es mir wichtig, den Abschluss als Kaufmann nachzuholen. Ich empfand den Berufsabschluss als Grundvoraussetzung, sich im kaufmännischen Bereich weiterentwickeln zu können.

Warum unterstützte das Unternehmen Herrn Schumann dabei, den Abschluss nachzuholen?

Eberling: Wir setzen uns generell sehr für die Fort- und Weiterbildung unserer Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter ein. Die Menschen betrachten wir als unser größtes Kapital. Als Unternehmer kann ich meine Fachkräfte immer gezielt entwickeln. ProAbschluss ist zudem eine ganz tolle, motivierende Sache für den Betrieb und für den Mitarbeiter. Wir wurden sehr zielführend beraten, der ProAbschluss Bildungscoach stellte den Kontakt zur Deutschen Angestellten Akademie her und ProAbschluss trug die Hälfte der Weiterbildungskosten über den Qualifizierungsscheck.

Herr Schumann, wie lange dauerte denn Ihre Weiterbildung bis zur Prüfung und wie konnten Sie das neben dem Beruf organisieren? War es schwer?

Schumann: Es war eine reine Abend- und Wochenendschulung, so dass ich meinem Beruf weiter nachgehen konnte. Ein halbes Jahr lang war ich einmal in der Woche abends und dazu noch samstags in der Akademie. Natürlich musste ich auch lernen. Wenn man aber erst mal im Lernprozess drin ist und sich an den Rhythmus gewöhnt hat, dann läuft das eigentlich ganz gut.

Was war denn Ihr erstes Gefühl, als Sie wussten: Ich habe das jetzt geschafft?

Schumann: Was soll ich sagen: Ich war hauptsächlich erleichtert! Denn kurz vor der Prüfung war ich doch ziemlich angespannt, Selbstzweifel kamen hoch: Hatte ich mich gut genug vorbereitet, war das halbe Jahr ausreichend? Immerhin lernen normale Azubis den Beruf drei Jahre, gehen zwei Mal pro Woche in die Berufsschule. Aber es hat geklappt und an dem Abend haben wir ein wenig gefeiert.

Herr Eberling, hat das Unternehmen keine Bedenken, dass sich ein so qualifizierter Mann nun anderweitig umschaut?

Eberling: Nein, eigentlich nicht. Natürlich weiß man nie, wo einen der Wind hinträgt, aber ich denke, wenn man so eine Phase gemeinsam überstanden hat, das bindet. Wir sind hoffentlich noch sehr lange zusammen.

Was würden Sie Menschen raten, die darüber nachdenken, einen Berufsabschluss nachzuholen, und was den betreffenden Unternehmen?

Schumann: Man sollte es machen, ja. Ich finde es immer wichtig, dass man für den Beruf, in dem man arbeitet, die richtige Ausbildung hat. Man muss aber bei der Durchführung permanent am Ball bleiben und darf sich auch von Tiefs nicht entmutigen lassen. Die Arbeitgeberseite einzubeziehen halte ich auch für sinnvoll, die sollte ja ein Interesse an gut ausgebildeten Fachkräften haben.
Eberling: Mein Rat für Unternehmen: Jeder Betrieb steht und fällt mit seiner Belegschaft. Wenn man erkennt, dass jemand Potenzial hat, dann sollte man dies fördern; es tut beiden Seiten gut und stärkt das ganze Unternehmen. In den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern steckt manchmal mehr, als man auf den ersten Blick sieht.